Schriftgröße

Osterhofener Zeitung vom 15.05.2010

5000 Weiden für das Donau-Altwasser

Pflanzaktion soll dort den Biber aus den Feldern halten - Wasserwacht setzt Stecklinge vom Boot aus

Von Gabi Schwarzbözl

Osterhofen/Arbing. Insgesamt 5000 Weidenstöcke will Biberberater Karl Straßer gemeinsam mit der Wasserwacht in den kommenden fünf Jahren auf 2,5 Kilometer Länge am Donau-Altufer bei Arbing setzen. Die ersten 1000 Stöcke hat am Donnerstag die Wasserwacht Osterhofen mit ihm im Uferbereich eingesteckt: Mit zwei Booten sind zehn Mitglieder das linke Ufer abgefahren. „Mannschaft, Wetter, Organisation, alles hat fantastisch geklappt“, freut sich Straßer.

Das Projekt ist der Versuch, dort mit den ausschlagenden Weiden den Bibern so viel Nahrung und Baumaterial zu bieten, dass sie nicht mehr die angrenzenden Felder unterminieren. Denn bisher waren diese das Paradies für „Meister Bocklet“ und boten ihm einen gedeckten Tisch mit Mais, Getreide und Zuckerrüben. Entsprechend sind die Fluren unterhöhlt, so dass es zum Teil gefährlich ist, sie mit schweren Maschinen zu befahren.

 - Die ersten 1000 Weidenstöcke setzte die Wasserwacht am Donnerstag entlang des Altufers. Mit dabei waren Wasserwacht-Vorsitzender Jochen Seidl (rechts) und Naturschutzwart Rudi Weileder mit ihren (Foto: Heyd)
Die ersten 1000 Weidenstöcke setzte die Wasserwacht am Donnerstag entlang des Altufers. Mit dabei waren Wasserwacht-Vorsitzender Jochen Seidl (rechts) und Naturschutzwart Rudi Weileder mit ihren (Foto: Heyd)

„Jetzt rächen sich die Fehler der Flurbereinigung in den 60er/70er Jahren“, kritisiert Straßer: Damals wurden die Feldgrenzen bis ans Ufer gelegt und entsprechend heute noch bis dorthin bewirtschaftet, ohne einen Schutzstreifen dazwischen zu lassen. Das will er nun mit einem Gehölzstreifen an der Uferlinie korrigieren. Straßer hofft, damit den Biber komplett aus den Feldern zu halten. Die Landwirte dürfen die ausschlagenden Weiden in Zukunft auch kappen und das Material ins Wasser werfen - das hole sich der Biber als Baumaterial. Die Euphorie des Biberberaters will Ingrid Jandl von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt nicht teilen, aber sie zeigt sich vorsichtig optimistisch: Ob der Biber tatsächlich aus den Feldern heraußen bleibt, müsse sich erst zeigen. Denn im Sommer hole er sich seine Nahrung aus den Feldern, nur im Winter nutze er die Weiden, meint sie skeptisch. Dennoch stimmt sie zu: „Einen Versuch ist es wert“, sagt sie, betont aber gleichzeitig, dass die Aktion mit dem Landratsamt nichts zu tun habe, alle Genehmigungen und Abstimmungen mit Behörden und Grundstücksbesitzern müsse Karl Straßer einholen. Dabei, so betont dieser, werden die Weidenstöcke nicht auf den Feldern, sondern im Wasser gesetzt mit mindestens einem Meter Abstand vom Ufer und die Grundstücke auch bei der Pflanzaktion nicht betreten.

Unterstützung erhält er vom Wasserwirtschaftsamt: Hermann Waas von der Abteilung Wasserbau hofft nicht nur, „dass es so gelingt, wie es sich Karl Straßer vorstellt.“ Das Wasserwirtschaftsamt hat den Biberberater zudem mit aufwuchsfähigem Material versorgt: Von der Gehölzpflege an den Gewässern sind im Januar und Februar große Mengen Baumschnitt angefallen, aus dem das Wasserwirtschaftsamt kurze Weidenruten zurechtgeschnitten und für das Team am Altufer bereit gelegt hat. Sollte die Aktion gelingen und wie geplant in den nächsten Jahren fortgesetzt werden, stellt das Wasserwirtschaftsamt weiterhin Material bereit.

Hermann Waas hofft ebenso wie Karl Straßer, dass die Biber damit in den Gewässern bleiben und dort ausreichend Nahrung finden. Klappt das nicht, ist mit der Pflanzaktion nichts zerstört worden. Klappt es, so können viele Parteien gewinnen, findet Waas: Der Biber findet Nahrung, für die Natur und die Artenvielfalt ist ein Gehölzsaum am Ufer ohnehin gut und die Grundstückseigentümer wären in Zukunft nicht mehr mit tiefen Eingrabungen in ihre Felder geplagt.

Artikel aus Osterhofener Zeitung vom 15.05.2010